LaVida: 31 Oktober 2017,

Ist mein Pferd zu dick?



Diese Frage bekommen wir oft bei unseren Wiegeterminen gestellt und bestimmt hat jeder von euch schon mindestens einen Artikel gelesen wo es darum geht, das ein großer Prozentsatz unserer Pferde zu dick ist. Es wird sogar von einer regelrechten Fett Epidemie gesprochen.
Ein Großteil der Pferde die als Freizeitpferd genutzt werden sind tatsächlich übergewichtig.
Extreme Fettleibigkeit kommt zum Glück aber nicht sehr oft vor, aber viele Pferde tragen mehr Gewicht mit sich rum, als es für sie vorteilhaft wäre.
Und genau wie beim Menschen sind die Gründe hierfür: zu viel Futter bei zu wenig Bewegung.
Das heißt jetzt nicht, das ein Pferd im Leistungssport laufen muss um eine gute Figur zu haben sondern, das diese Pferde weniger Kalorien benötigen.
Doch es hat jeder seine eigene Vorstellung darin, wo Übergewicht beginnt. Das beginnt schon beim eigenen Körpergewicht.
Sendung wie zum Beispiel Germany Next Top Model suggerieren uns Size Zero als Ideal. Folglich erscheint uns Normalgewicht bereits als zu „fett“.
Umgekehrt sehen wir größtenteils „wohlgenährte" Pferde und empfinden das als Normalmaß, womit die Beurteilung des Ernährungszustandes des eigenen Pferdes weniger realistisch ausfällt. Erschwerend kommt hinzu, dass es je nach Einsatz der Pferde unterschiedliche Vorlieben sowie große Unterschiede innerhalb der Pferderassen gibt und ein dicker Bauch nicht unbedingt ein Zeichen von Übergewicht ist.
Vergleicht man beispielsweise Dressurpferde mit Renn, Vielseitigkeit, oder Springpferden, dann fällt auf, dass Dressurreiter ihre Pferde eher etwas üppiger bevorzugen, während im Renn- und Vielseitigkeitssport, wo es auf Geschwindigkeit und Ausdauer ankommt, geschaut wird, dass das Pferd möglichst schlank ist um die Sehen und Gelenke nicht zu belasten und keine Geschwindigkeit einzubüßen. Doch kann auch das kräftig aussehende Dressurpferd ein optimal Gewicht haben, wenn seine Masse aus Muskulatur und nicht aus Fett besteht. Ebenso kann ein Achal Tekkiner ein optimal Gewicht haben obwohl der „Windhund“ unter den Pferderassen den meisten viel zu dünn erscheinen mag und eine gespaltene Kruppe bei einem Kaltblüter deutet nicht unbedingt auf zu viel auf den Rippen hin sondern entspricht dem Zuchtziel.



1. Lass dein Pferd wiegen. Vergleiche das ermittelte Gewicht mit vorliegenden Richtwerten
(selbe Rasse und Stockmaß)

2. Zusätzlich sollte der Körperfettindex bestimmt werden (z.B. nach AAEP oder BCS)

3. Ermittle den Kalorienbedarf und vergleichen den Wert mit der tatsächlichen Kalorienaufnahme

4. Beurteile die Arbeitsleistung deines Pferdes realistisch



Das Body Condition Scoring-System (BCS) und die AAEP sind Methoden, um den Ernährungszustand von Pferden zu beurteilen.
Für Pferde exisiteren mehrere Systeme, die nach dem Prinzip funktionieren, einzelne Körperregionen zu betrachten und in Kategorien einzuteilen.
Es werden die äußerlich zugängliche bzw. sichtbare Fettdepots beurteilt und die von außen sichtbare Muskulatur fließt in die Beurteilung mit ein. Das bedeutet, dass bei dünnen Pferden vor allem der Verlust von Muskelmasse einfließt, und bei dicken Pferden die Ansammlung von Unterhautfettgewebe.
Je nach Body Condition wird dem beurteilten Tier eine Punktzahl zugeteilt, der sogenannte Body Condition Score (BCS). Ein BCS von 5 ist optimal.





A Fettansatz oder “Bemuskelung” am Mähnenkamm
B Fettpolster am Widerrist
C Wulstbildung im Lendenbereich
D Fettpolster am Schweifansatz
E Fühlbarkeit der Rippen
F Fettpolster hinter der Schulter

Einstufung nach AAEP



Das Pferd ist ausgemergelt, Dornfortsätze, Rippen Schweifansatz und sämtliche Knochenvorsprünge sind überdeutlich zu erkennen. Keinerlei Fettansatz erkennbar.



Die Dornfortsätze sind sichtbar. Rippen, Schweifansatz und Hüfthöcker sind deutlich sichtbar. Die Knochenkonturen von Widerrist, Hals und Schulter sind noch sichtbar voneinander abgesetzt.



Die Dornfortsätze sind noch immer prominent aber mittig mit etwas Fettgewebe abgedeckt. Geringe Mengen Fett bedecken die Rippen, die aber leicht erkennbar sind. Der Schweifansatz ist dünn aber einzelne Wirbel sind nicht zu unterscheiden. Die Hüfthöcker sind vorstehend aber eher angerundet. Die Konturen von Hals Widerrist und Schulter sind akzentuiert.



Die Dornfortsätze am Rücken sind nicht erkennbar aber die Muskulatur erreicht nicht das Niveau der Dornfortsätze (Rinne rechts und links der Wirbelsäule). Die Konturen der Rippen sind gerade noch mit dem Auge sichtbar. Am Schweifansatz findet man eine dünne Fettauflagerung. Hals, Widerrist und Schultern erscheinen nicht dünn.



Die Dornfortsätze der Wirbelsäule und die Rückenmuskulatur sind auf einer Höhe. Rippen kann man nicht sehen aber leicht ertasten. Die Fettpolster am Schweifansatz sind deutlich und etwas weich. Der Widerrist erscheint abgerundet und die Konturen von Hals, Schulter gehen fließend in einander über.



Andeutung einer Mittelrinne über den Dornfortsätzen des Rückens. Das Fettpolster am Schweifansatz ist deutlich zu fühlen, auf den Rippen fühlt man eine dünne Fettschicht. Die Gruben beidseits des Widerristes sind leicht mit Fett aufgefüllt und es finden sich Ansätze zu Fettpolstern am Mähnenkamm und hinter den Schulterblättern.



Meist bildet sich eine deutliche Rinne über den Dornfortsätzen des Rückens. Die einzelnen Rippen können noch ertastet werden aber man fühlt eine deutliche Fettschicht. Das Fettpolster am Schweifansatz fühlt sich weich an. Fettansätze am Mähnenkamm, hinter den Schultern und am Widerrist sind optisch erkennbar.



Eine deutliche Rinne verläuft zwischen den verfetteten Muskelsträngen am Rücken. Die Zwischenräume zwischen den Rippen sind nur noch mit Mühe ertastbar. Fettpolster am Widerrist füllen die Gruben weitgehend auf und das Fettpolster am Schweifansatz fühlt sich sehr weich an. Am Mähnenkamm bildet sich ein Fettwulst, die Konturen der Schulter verschwimmen in der Fettauflagerung.



Die Mittelrinne am Rücken ist sehr deutlich. Fettwülste bilden sich über den Rippen. Am Schweifansatz, in der Lendengegend, der Schulter, dem Widerrist und am Mähnenkamm bilden sich Fettwülste. Fett im Zwischenschenkelspalt und am Präputium tritt deutlich in Erscheinung.





Quelle: http://edoc.ub.uni-muenchen.de/1522/1/Schramme_ClaudiaStephanie.pdf



Welche Folgen hat Übergewicht beim Pferd?


Übergewicht belastet neben dem Reitergewicht zusätzlich die Gelenke und Knochen der Pferdes. Es kommt schneller zu Gelenksentzündungen (Arthritis) oder zu degenerativen Gelenkerkrankungen (Arthrose). Darüber hinaus kann Übergewicht auch Probleme mit dem Kreislauf hervorrufen.
Meist haben diese Pferde einen konstant zu hohen Blutzuckerspiegel wodurch vermehrt Insulin produziert wird. Wenn dann das Pferd auch nicht genügende Bewegung hat, wird der überflüssige Blutzucker in Fettgewebe umgewandelt. Dieses überflüssige Fettgewebe schüttet Hormone aus, die zu einer Insulinresistenz führen können.
Durch die Insulinresistenz ist ein Teufelskreis in Gang gesetzt, denn durch die Insulinresistenz wird die Verfettung immer weiter vorangetrieben. Das ganze wird noch durch die mit dem Übergewicht einhergehende Leptinresistenz erschwert. Die Pferde empfinden kein Sättigungsgefühl, wodurch eine Diät für sie zur Qual wird.


Was kann ich machen?


Bitte auf keinen Fall einen radikalen Futterentzug. Das kann für das Pferd lebensgefährlich werden.
Durch einen zu schnellen Gewichtsverlust kann es zu einer Überforderung der Leber kommen, der sogenannten Hyperlipidämie. Was im Extremfall zu einer Fettleber und zum Tod führen kann. Bei schweren übergewichtigen Pferde empfiehlt sich während der Diät regelmäßig den Triglyzeridespiegels über das Blutbild kontrollieren zu lassen.

Zu Beginn jeder Diät muss der Futterbedarf ermittelt werden. (grober Anhaltspunkt: 1,5 Kg Raufutter pro 100 Kilogramm).
Die Menge auf möglichst viele Rationen aufteilen, damit das Pferd immer genügend zu kauen hat und keine Fresspausen über 3 Stunden entstehen. Hungerstress kann zu Fressstörungen führen und Magengeschwüre auslösen.
Das Raufutter sollte möglichst spät geschnitten werden dadurch bietet es viel Kaumaterial bei niedriger Nährstoffdichte. Ein Teil des Heus kann durch Stroh (maximal ein Drittel) ersetzt werden.

Überprüfen Sie die Kraftfuttermenge und ihr Mineralfutter. Wie viel füttere ich? Ist ein Kraftfutter überhaupt notwendig? Wie viel Zucker und Stärke ist enthalten? Sind meinem Mineralfutter unnötige Füllstoffe wie z.B. Weizen oder Haferschälkleie zugesetzt? Passt das Mineralfutter zu meiner Gesamtration?

Erstellen Sie einen für das Pferd geeigneten Bewegungsplan.

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